
20 Jahre Jubiläum: Hans Roth Umweltpreis geht an BOKU Wien
Auch Absolvent:innen der Montanuni Leoben, der TU Graz, TU Wien, sowie der Universität für Weiterbildung Krems wurden in der Alten Universität Graz für ihre Arbeiten ausgezeichnet. Als besondere Überraschung zum Jubiläum wurde gemeinsam mit Sieger:innen aus den vergangenen 20 Jahren gefeiert.
Daten als Schlüssel: Rohstoffe sichern, Schadstoffe vermeiden
Die rasante technologische Entwicklung hat in den vergangenen Jahren immer mehr elektronische Produkte auf den Markt gebracht. Damit wächst auch die Menge an Elektroschrott. Rund 5 Millionen Tonnen an Elektro- und Elektronikaltgeräten sind laut Europäischer Kommission im Jahr 2022 in der EU auf dem Müll gelandet. Besonders Leiterplatten und Kunststoffe enthalten jedoch wertvolle Metalle wie Kupfer, Gold oder Silber. Gleichzeitig finden sich in ihnen aber auch Schadstoffe wie Blei oder Arsen, die bei unsachgemäßer Entsorgung Umwelt und Gesundheit belasten können. Eine genaue Analyse der Materialzusammensetzung ist entscheidend, um Rohstoffe effizient zurückzugewinnen und Risiken zu minimieren. Eine verlässliche Datenbasis bildet die Grundlage. Aleksander Jandric, Absolvent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der BOKU Wien, hat im Rahmen seiner Dissertation eine schnelle und kostengünstige Methode entwickelt, die eine präzise Bestimmung der Inhaltsstoffe ermöglicht. Zum Einsatz kommt eine moderne tragbare Röntgentechnologie, die so kalibriert wurde, dass präzise Analysen in Laborqualität durchgeführt werden können. Mit seiner Arbeit leistet Jandric einen wesentlichen Beitrag zum Schutz knapper Ressourcen, der Umwelt und der Gesundheit – und das bereits zum zweiten Mal: Schon 2018 wurde der Wissenschaftler für seine Masterarbeit mit dem Hans Roth Umweltpreis ausgezeichnet.
Kreislaufwirtschaft schafft Lösungen
Das beweisen auch die Arbeiten der weiteren vier ausgezeichneten Absolvierenden. Die Themen umfassen das Textilrecycling, konkret Herausforderungen in der automatisierten, nahinfrarotbasierten Sortierung von Alttextilien durch etwa Knöpfe oder Reißverschlüsse, die thermische Aufbereitung von Mineralwolleabfällen und Stahlschlacken als Zementersatz, die Bewertung der Recyclingfähigkeit von Mobiltelefonen sowie die Auswirkungen der EU-Taxonomie-Verordnung auf die Bewirtschaftung eines Gründerzeitmietzinshauses in Graz. Umweltlandesrätin Simone Schmiedtbauer, Nationalratsabgeordneter Markus Leinfellner, Umweltstadträtin und Grazer Vizebürgermeisterin Judith Schwentner sowie Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner übergaben die Auszeichnung gemeinsam mit Preisstifter und Saubermacher Gründer Hans Roth unter Anwesenheit zahlreicher weiterer Ehrengäste an die Gewinner:innen. Der mit 4.000 Euro dotierte Hauptpreis geht an Aleksander Jandric von der Universität für Bodenkultur Wien. Zudem dürfen sich Hanna Kobald von der Montanuniversität Leoben, Clemens Bendler von der TU Graz, Clara Neuendorf von der TU Wien und Markus Schlacher von der Universität für Weiterbildung Krems über ihre Auszeichnungen mit je 2.200 Euro Preisgeld freuen.

Preisträger:innen aus 20 Jahre Hans Roth Umweltpreis gratulierten
Bereits zum 20. Mal wurde heuer der Hans Roth Umweltpreis an herausragende Wissenschaftler:innen vergeben. Als besondere Überraschung fanden sich auch ehemalige Preisträger:innen aus den vergangenen Jahren in der Alten Universität ein. Von „Innovativen Anwendungs- und Recyclingpotentialen von Farbrestpulvern“ über die „Analyse der Quellen von Kupfereinträgen in den Gleisschotter“ – die eingereichten Arbeiten verdeutlichen eindrucksvoll die wissenschaftliche Vielfalt und den hohen Anspruch der Forschungsleistungen im Bereich der Kreislaufwirtschaft in Österreich. Alle Beiträge wurden zu Ehren von Preisstifter und Saubermacher Gründer Hans Roth in einer Chronik dokumentiert. Das Buch „Was wurde aus – 20 Jahre Hans Roth Umweltpreis“, das auch den Werdegang der Sieger:innen portraitiert, wurde im Rahmen der Preisverleihung feierlich an den steirischen Pionier übergeben. Gemeinsam stehen alle Gewinner:innen des Umweltpreises für geballte Innovationskraft auf dem Sektor der Nachhaltigkeit und der Kreislaufwirtschaft.
Simone Schmiedtbauer, Umweltlandesrätin: „Die ausgezeichneten Arbeiten zeigen eindrucksvoll, wie Forschung und Innovation dazu beitragen, wertvolle Ressourcen zu sichern und Umweltbelastungen zu reduzieren. Gerade in Zeiten wachsender Rohstoffknappheit brauchen wir Menschen, die mit Kreativität und wissenschaftlicher Exzellenz an Lösungen für eine nachhaltige Zukunft arbeiten. Der Hans Roth Umweltpreis ist ein starkes Signal für gelebte Kreislaufwirtschaft und eine lebenswerte Steiermark.“
Markus Leinfellner, Nationalratsabgeordneter: „Der Hans Roth Umweltpreis zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie viel Innovationskraft und Engagement in der heimischen Forschung stecken. Gerade junge Menschen leisten mit ihren kreativen Ansätzen und Projekten einen unverzichtbar wertvollen Beitrag zu einer ressourcenschonenden Zukunft. Sie beweisen, dass Innovation und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Wer heute in Kreislaufwirtschaft, Umwelttechnik und Abfallvermeidung investiert, sichert die Lebensqualität und den Wohlstand von morgen. Ich gratuliere allen Preisträgern sehr herzlich zu ihren herausragenden Leistungen und danke ihnen für ihren Beitrag zu einer sauberen Zukunft.“
Judith Schwentner, Umweltstadträtin und Grazer Vizebürgermeisterin: „Seit bereits zwei Jahrzehnten setzt der Hans Roth Umweltpreis ein starkes Zeichen für Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Der Preis zeigt eindrucksvoll, dass Abfall kein Müll ist, sondern eine wertvolle Ressource – ein Ansatz, dem sich auch die Stadt Graz verpflichtet. Wer sich so engagiert für unsere Umwelt einsetzt, gehört vor den Vorhang geholt und ausgezeichnet. Ich danke dem Initiator Hans Roth für sein großzügiges, nachhaltiges Engagement und freue mich sehr, diesen Preis mitüberreichen zu dürfen. Den diesjährigen Gewinner:innen, deren herausragende Leistungen einen echten Beitrag für unsere Umwelt leisten, gratuliere ich sehr herzlich.“
Kurt Hohensinner, Wirtschaftsstadtrat: „Der Hans Roth Umweltpreis zeigt eindrucksvoll, wie wissenschaftliche Innovation zur Lösung zentraler Zukunftsfragen beiträgt. Gerade für den Wirtschaftsstandort Graz sind nachhaltige Technologien und Kreislaufwirtschaft entscheidend, um neue Wertschöpfung zu ermöglichen. Als Wirtschaftsstadtrat möchte ich zukunftsorientierte Projekte mit wirtschaftlicher Stärke vorantreiben. Sie sichern Ressourcen, stärken Graz als Wirtschaftsdrehscheibe und auch unsere gesellschaftlich ökologische Verantwortung, damit unsere Stadt als lebenswerter Ort für kommende Generationen erhalten bleibt und die Zukunft aus eigener Kraft gestalten kann.“
Hans Roth, Saubermacher Gründer und Stifter des Preises: „Ich bin tief berührt, heute herausragende Wissenschaftler:innen auszeichnen zu dürfen und zugleich ehemalige Preisträger:innen wiederzusehen, die ihren Weg mit so viel Engagement weitergegangen sind. Die Leidenschaft und der Ideenreichtum, mit dem sich diese talentierten Forscher:innen den Herausforderungen unserer Zeit widmen, ist bemerkenswert. Ihre Arbeiten leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag. Mein herzlicher Dank gilt allen Ausgezeichneten, unseren Ehrengästen und Partner:innen. Gemeinsam fördern wir den Dialog zwischen Wissenschaft, (Kreislauf-)Wirtschaft und Technik, denn genau daraus entstehen die Lösungen, für ein zukunftssicheres Morgen. Das 20-jährige Jubiläum des Hans Roth Umweltpreises steht sinnbildlich dafür, was Saubermacher seit jeher auszeichnet: Den Dialog zu fördern, Innovation voranzutreiben und Verantwortung für eine lebenswerte Umwelt zu übernehmen.“
Zum Hans Roth Umweltpreis
Der Hans Roth Umweltpreis wird seit 2005 jährlich an Universitäten in Österreich und Slowenien vergeben. Ziel ist es, die Abfall- und Kreislaufwirtschaft voranzutreiben und schädliche Emissionen zu reduzieren. Im Fokus stehen frische Ideen, innovative Lösungen und deren praktische Umsetzbarkeit. Der Wissenstransfer zwischen Forschung und Industrie spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Organisation liegt in den Händen von Saubermacher CEO Ralf Mittermayr und der Leiterin für Forschung und Entwicklung, Astrid Arnberger. Eine unabhängige Jury von Expert:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlicher Verwaltung hat die Gewinner:innen im Oktober 2025 ermittelt: Professor Helmut Rechberger/TU Wien, Dipl.-Ing. Rainer Altmann/Universität für Weiterbildung Krems, Professorin Marion Huber-Humer/BOKU Wien, Professor Roland Pomberger/Montanuniversität Leoben, Vizerektor Michael Monsberger/TU Graz, Gerald Brantner/Billa AG, Thomas Eck/ARA, Josephine Müller/voestalpine, Peter Giffinger/Saint-Gobain Austria GmbH, Julia Scheiber/Österreichischer Gemeindebund, Rainer Kronberger/Magistrat der Stadt Wien, Christian Holzer/BMK. Von Saubermacher unterstützten Gründer Hans Roth, CEO Ralf Mittermayr, F&E-Leiterin Astrid Arnberger, Österreich Geschäftsleiter Gerhard Hecker sowie Stephan Roth.
Die Gewinner:innen im Überblick:
Gewinner des Hans Roth Umweltpreises für Österreich (Hauptpreis)
Aleksander Jandric/Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) mit der Dissertation „Entwicklung einer schnellen und verlässlichen Analysemethode zur Verbesserung des Recyclingpotenzials von komplexen Materialien“
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung einer neuen, schnellen und kostengünstigen Analysemethode zur Bestimmung der Materialzusammensetzung komplexer Abfälle wie etwa Leiterplatten und Kunststoffe. Zum Einsatz kommt ein tragbares Gerät, das auf Basis moderner Röntgentechnologie arbeitet und dank „post-hoc Kalibration“ eine Messgenauigkeit in Laborqualität erreicht. So können wertvolle Metalle effizienter recycelt und Schadstoffe schneller erkannt werden.
Gewinnerin des Hans Roth Umweltpreises Montanuniversität Leoben
Hanna Kobald/MUL mit der Masterarbeit „Bekleidungsaccessoires von Alttextilien in der automatisierten NIR-Sortierung“
Diese Arbeit zeigt Herausforderungen in der automatisierten Sortierung von Alttextilien. Im Fokus stehen Bekleidungsaccessoires wie Knöpfe, Verschlüsse oder Aufdrucke, die in nahinfrarotbasierten Sortiersystemen nur eingeschränkt erkannt werden können. Sie beeinträchtigen die Reinheit textiler Stoffströme. Untersucht wurde die Häufigkeit verschiedener Accessoires in unterschiedlichen Kleidungsstücken sowie die Zuverlässigkeit einer Identifikation. Die Ergebnisse fließen in die Optimierung zukünftiger Recyclingprozesse ein.
Gewinner des Hans Roth Umweltpreises Technische Universität Graz
Clemens Bendler/TU Graz mit der Masterarbeit „Auswirkung von thermisch aufbereiteten Reststoffen als Zementzusatzstoff auf den Carbonatisierungs- und Sulfatwiderstand“
Diese Arbeit untersucht thermisch aufbereitete Mineralwolleabfälle und Stahlschlacken als Zementersatz. Die Materialien zeigen vergleichbare Eigenschaften zu Hüttensand. Ziel ist es, aufgrund des künftig zu erwartenden Mangels, eine Alternative für Hüttensand zu finden. Zusätzlich sollen geeignete Recyclingtechniken für Mineralwolle entwickelt werden.
Gewinnerin des Hans Roth Umweltpreises Technische Universität Wien
Clara Neuendorf/TU Wien mit der Diplomarbeit „Bewertung der Recyclingfähigkeit von Mobiltelefonen“
Vor dem Hintergrund wachsender Rohstoffknappheit untersucht die Arbeit die Recyclingfähigkeit von Mobiltelefonen. Mit einem Bewertungsansatz basierend auf statistischer Entropie – einem Maß dafür, wie stark Materialien in einem Produkt vermischt sind und wie gut sie sich trennen lassen – wird gezeigt, wie kreislauffähiges Produktdesign die Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe erleichtert und Ressourcen schont.
Gewinner des Hans Roth Umweltpreises Universität für Weiterbildung Krems
Markus Schlacher/Universität für Weiterbildung Krems mit der Masterarbeit „Die Auswirkungen der EU-Taxonomie-Verordnung auf die Bewirtschaftung von Wohnimmobilien am Beispiel eines Grazer Zinshauses aus der Gründerzeit“
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der EU-Taxonomie-Verordnung auf die Bewirtschaftung eines Gründerzeitmietzinshauses in Graz. Im Rahmen einer Einzelfallstudie werden zwei Szenarien – taxonomiekonforme Renovierung versus herkömmliche Instandhaltung – wirtschaftlich verglichen. Das Fazit: Die nachhaltige Renovierung ist langfristig rentabler und reduziert die CO₂-Emissionen deutlich.
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