Porträt von Manuel Planitzer, Experte für Umweltrecht bei NHP Rechtsanwälte, der im Interview die EU-Textilstrategie und neue Recyclingpflichten erläutert (c) Michael Kainz
18. August 2025 | REIHE

Sau­ber­ma­cher im Recht: Was Un­ter­neh­men jetzt wis­sen müs­sen

Ma­nu­el Pla­nit­zer ist Um­welt­rechts­ex­per­te bei NHP Rechts­an­wäl­te. Er be­rät Un­ter­neh­men zu recht­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen rund um Um­welt­auf­la­gen, Kreis­lauf­wirt­schaft und Nach­hal­tig­keits­vor­ga­ben. Für die Rei­he "Sau­ber­ma­cher im Recht" in­for­miert er dies­mal zum The­ma Bat­te­ri­en und zur EU-Bat­te­ri­en­ver­ord­nung.

Die neue EU-Bat­te­rie­ver­ord­nung ist kein po­li­ti­sches Si­gnal­pa­pier, son­dern ein um­fas­sen­der Rechts­rah­men, der den ge­sam­ten Le­bens­zy­klus von Bat­te­ri­en neu re­gu­liert – von der Her­stel­lung über die Nut­zung bis zur Ent­sor­gung. Sie be­trifft sämt­li­che Ak­teu­re der Wert­schöp­fungs­ket­te, de­fi­niert Min­dest­stan­dards und Kenn­zeich­nungs­pflich­ten und sieht erst­mals EU-weit ein­heit­li­che Re­cy­cling­quo­ten vor. Mit kla­ren Fris­ten und um­fas­sen­den In­for­ma­ti­ons­pflich­ten ver­än­dert sie die An­for­de­run­gen an Her­stel­ler, Händ­ler, Ver­brau­cher und Ent­sor­ger.

Was ist der An­spruch der neu­en EU-Bat­te­rie­ver­ord­nung?

Die Ver­ord­nung ver­folgt ei­nen sehr wei­te­rei­chen­den Le­bens­zy­klus­an­satz und setzt da­mit neue Stan­dards in die­sem Be­reich. Das be­ginnt mit ver­pflich­ten­den An­for­de­run­gen an die Ge­win­nung der Roh­stof­fe für die Pro­duk­ti­on von Bat­te­ri­en und en­det mit Re­ge­lun­gen in Be­zug auf das Ab­fall­ma­nage­ment von Alt­bat­te­ri­en. Im Er­geb­nis soll si­cher­ge­stellt wer­den, dass Bat­te­ri­en nach­hal­tig pro­du­ziert, ef­fi­zi­ent ge­nutzt und am En­de ih­res Le­bens best­mög­lich re­cy­celt wer­den. Mit all die­sen Maß­nah­men soll ei­ne ver­stärk­te Kreis­lauf­wirt­schaft im Bat­te­ri­en­sek­tor er­reicht wer­den.

Was ist jetzt schon in Kraft, und was kommt spä­ter?

Grund­sätz­lich gilt die Ver­ord­nung seit dem 18. Fe­bru­ar 2024, ein­zel­ne Re­ge­lungs­be­rei­che tre­ten je­doch erst nach und nach in Kraft. Die Vor­ga­ben zur Be­wirt­schaf­tung von Alt­bat­te­ri­en gel­ten bei­spiels­wei­se ab dem 18. Au­gust 2025. Das ist ins­be­son­de­re des­we­gen re­le­vant, weil es da­zu auch noch in­ner­staat­li­che Um­set­zungs­ak­te braucht. Der ös­ter­rei­chi­sche Ge­setz­ge­ber ist hier be­reits un­ter Zug­zwang – das Ge­set­zes­pa­ket soll­te noch im Som­mer in die Be­gut­ach­tung ge­hen. Ei­ne für die Pra­xis ganz we­sent­li­che Re­ge­lung ist ab dem 18. Fe­bru­ar 2027 ver­pflich­tend. Ab die­sem Zeit­punkt müs­sen Ge­rä­te- und LV-Bat­te­ri­en vom Ver­brau­cher mit han­dels­üb­li­chen Werk­zeu­gen wie­der ent­nom­men und aus­ge­tauscht wer­den kön­nen. Da­mit rea­giert man auf die Pro­ble­ma­tik von un­sach­ge­mäß ent­sorg­ten Bat­te­ri­en, die ge­ra­de bei Ent­sor­gungs- und Re­cy­cling­be­trie­ben zum jet­zi­gen Zeit­punkt das wohl größ­te Pro­blem durch im­mer wie­der aus­ge­lös­te Brän­de dar­stel­len.

Wel­che Ak­teu­re sind be­trof­fen?

Die Ver­ord­nung rich­tet sich so­wohl an Her­stel­ler, Im­por­teu­re, Händ­ler, Re­cy­cler und Rück­nah­me­stel­len. Für Her­stel­ler be­deu­tet das kon­kret: Sie müs­sen sich re­gis­trie­ren, tra­gen im Sin­ne der er­wei­ter­ten Her­stel­ler­ver­ant­wor­tung die Kos­ten für Samm­lung und Ver­wer­tung, müs­sen ih­re Pro­duk­te kenn­zeich­nen und tech­ni­sche Min­dest­an­for­de­run­gen er­fül­len. Be­son­ders wich­tig sind auch die um­fas­sen­den In­for­ma­ti­ons­pflich­ten – ge­gen­über Be­hör­den, aber auch ge­gen­über End­nut­zern.

Wie sieht es mit der Samm­lung und dem Re­cy­cling aus?

Die Ver­ord­nung bringt ei­ne grund­le­gen­de Neu­re­ge­lung der Alt­bat­te­rie­be­wirt­schaf­tung. Sie ver­pflich­tet je nach Ka­te­go­rie zu­min­dest zu ei­ner Men­gen­mel­dung bei Sam­mel­sys­te­men und legt da­bei be­son­de­ren Wert auf die Auf­be­rei­tung be­zie­hungs­wei­se hoch­wer­ti­ge stoff­li­che Ver­wer­tung durch spe­zia­li­sier­te Re­cy­cling­un­ter­neh­men.

Was be­deu­tet das für Ös­ter­reich?

Akut muss Ös­ter­reich noch in­ner­staat­li­che Um­set­zungs­ak­te auf den Weg brin­gen. Der­zeit ist ein um­fas­sen­des Bat­te­ri­en-Be­gleit­ge­setz in Vor­be­rei­tung. Es soll un­ter an­de­rem prä­zi­sie­ren, wel­che Pflich­ten die Her­stel­ler ha­ben, wie Sam­mel- und Ver­wer­tungs­sys­te­me or­ga­ni­siert wer­den sol­len, wel­che Rol­le Be­voll­mäch­tig­te spie­len und wel­che na­tio­na­len Be­hör­den für Kon­trol­le und Sank­tio­nie­rung zu­stän­dig sind.

Was ist Ihr Ap­pell an die Pra­xis?

Auf Ebe­ne der End­nut­zer be­zie­hungs­wei­se Ver­brau­cher braucht es ei­ne stär­ke­re Sen­si­bi­li­sie­rung in Be­zug auf die kor­rek­te Ent­sor­gung und Rück­ga­be von Alt­bat­te­ri­en. Falsch ent­sorg­te Alt­bat­te­ri­en ha­ben sich auf­grund des ho­hen Brand­po­ten­ti­als zu ei­nem der ak­tu­ell größ­ten Pro­ble­me in der Ab­fall­wirt­schaft ent­wi­ckelt. Die neue EU-Bat­te­ri­en­ver­ord­nung wird da­zu hof­fent­lich auch ei­nen we­sent­li­chen Teil bei­tra­gen.