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Universitätsprofessor Dr. Roland Pomberger, Montanuniversität Leoben
22. Oktober 2020

Über Preis, Wert und Markt von Abfall

Universitätsprofessor Dr. Roland Pomberger, Montanuniversität Leoben, über den Preis und den Umweltnutzen von Abfallentsorgung und warum wir zukünftig eine flexiblere Preisfindung brauchen.

Lange Jahre waren in der Abfallwirtschaft die Preise für Abfälle ziemlich stabil und vorhersehbar. Es war dadurch möglich, dass auch sehr langfristige Verträge zwischen Kommunen und Abfallwirtschaftsunternehmen abgeschlossen werden konnten. Auch Unternehmen konnten über längere Zeit stabile Preise garantiert werden.

Heute sind langfristige Verträge mit fixen Preisen bei einigen Abfallströmen zum Risiko für beide Seiten geworden. Bei Preisanstiegen von Energie und Rohstoffen kann einerseits der Kunde nicht mit partizipieren. Und bei Preisanstiegen in den abnehmenden Verwertungsanlagen bleibt andererseits das Abfallwirtschaftsunternehmen auf seinen Kosten sitzen und baut Verluste. Hauptverantwortlich ist der nunmehr sehr volatile und auch international gewordene Verwertermarkt. So führen z. B. Importmengen aus Ländern mit Entsorgungsnotständen zu Vollauslastung in Verbrennungsanlagen und aufgrund des internationalen Überangebotes zu knappen Kapazitäten und steigenden Preisen.

Auch stark schwankende Rohstoffmärkte wirken sich auf manche Abfallströme aus. Der Altholzmarkt wird beispielsweise vom internationalen Frischholz-Überangebot massiv unter Druck gesetzt. Der Borkenkäfer führt zu enormen Schadholzmengen, welche die Holzpreise drücken. Es ist logisch, dass bei niedrigem Holzpreis dann auch die Altholzpreise sinken und es kann sogar zu negativen Preisen in Form von Zuzahlungen kommen. Ein anderes Beispiel ist die Abhängigkeit des Altkunststoffmarktes vom Rohölpreis. Je niedriger der Preis für primäres Rohöl, umso unattraktiver ist es, sekundäre Kunststoffgranulate aus dem Recycling einzusetzen. Niedrige primäre Energie und Rohstoffpreise sind also grundsätzlich „Gift“ für das Recycling.

Andererseits können nicht planbare Krisen wie CORONA dazu führen, dass Grenzen kurzfristig geschlossen werden und damit die Versorgung von Recyclinganlagen mit Sekundärrohstoffen aus dem Ausland nicht mehr möglich ist. Es kann also auch zu Ausschlägen in die Gegenrichtung und zu einer kurzfristigen massiven Nachfrage kommen. Zumindest am Spotmarkt können Anlagen versuchen, die fehlenden Mengen durch Dumpingpreise aufzutreiben. Und auch die Auswirkung des wahrscheinlichen BREXIT auf die Abfallmärkte wird voraussichtlich zu Verwerfungen und volatilen Preisen führen.

Stark schwankende Märkte sehen wir bei immer mehr Abfallströmen. Zukünftig wird es also nötig sein, innovative und variable Preismodelle zu finden, damit langfristige Entsorgungssicherheit durch die Abfallwirtschaftsunternehmen gewährleistet werden kann. Bindung an Indizes oder individuelle Preisanpassungsmodelle könnten hier eine Lösung darstellen.

Nun möchte ich eine sehr grundsätzliche Frage stellen. Repräsentiert der Preis den Wert einer Entsorgung und was ist denn der Wert einer Abfallbehandlung? Aus meiner Sicht ist der Wert nicht offensichtlich. Einerseits wird der Preis vom Rohstoff oder Energiewert des Materials bestimmt und andererseits von der Qualität der Entsorgungs-/Verwertungsleistung. Aber was ist die Qualität? Aus meiner Sicht ist der Umweltnutzen der wesentliche Wert. Verschiedene Entsorgungswege können aber durchaus einen unterschiedlichen Umweltnutzen aufweisen. Die zulässige Beseitigung auf einer Deponie emittiert Treibhausgase und hat einen negativen Ressourcenverbrauch. Das alternative Recycling spart hingegen CO2 und trägt zur Ressourceneffizienz bei. Komplexe und teure Aufbereitungsschritte können erforderlich sein, um aus dem Abfall einen Sekundärrohstoff für das Recycling herzustellen. Vielfach ist die hochwertige umweltgerechte Verwertungslösung kostenintensiver und hat aufgrund des technischen Aufwandes einen höheren Preis, sie ist allerdings meist umweltgerechter als die billige Variante.

Ich appelliere an die Unternehmen und deren Verantwortliche sowie an die kommunalen Entscheidungsträger und BürgerInnen, nicht nur den Preis der Entsorgung, sondern auch den Umweltwert in ihre Betrachtung einzubeziehen. Fragen Sie, welchem Verwertungs- oder Recyclingverfahren Ihr Abfall zugeführt wird und worin der Umweltnutzen besteht. Entscheiden Sie sich für die „beste“ Lösung für Ihren Abfall und machen Sie damit Ihr Geschäft und Ihre Produkte nachhaltiger.

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