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Univ.-Prof. Dr. Roland Pomberger sitzt beim Interview in den Räumlichkeiten von Saubermacher.
10. März 2020

Wozu brauchen wir noch Deponien? Und warum soll dort Asbest gelagert werden?

Universitätsprofessor Dr. Roland Pomberger, Montanuniversität Leoben, über den Sinn und die Notwendigkeit von Deponien im 21. Jahrhundert.

Wer will schon in seiner Nähe eine Deponie haben? Oder, dass eine bestehende Deponie erweitert wird? Oder vielleicht sogar Asbest abgelagert wird? Wir brauchen doch keine Deponien mehr. Wir recyceln ja alles, Abfallvermeidung und Abfallverwertung lösen doch alle Probleme. Wer braucht da noch Deponien? Schon gar nicht in meiner Nähe!

Die fachliche Wahrheit ist leider ganz anders. Haben Sie sich schon gefragt, was mit Ihrem alten Eternitdach, Ihrem alten Bodenbelag aus der Altbausanierung und dem Nachtspeicherofen der Oma werden soll, wenn sie ausgetauscht oder entsorgt werden sollen. Recycling? Die schlechte Nachricht ist, es gibt keine Recycling- oder Verwertungsverfahren dafür. Zweite schlechte Nachricht: diese Jahrzehnte lang gebrauchten Produkte beinhalten Asbest. Gute Nachrichten: Erstens der Asbest ist gebunden und kann praktisch nicht in die Luft gelangen, und nur als Staub eingeatmet ist er ein Problem. Und zweitens ist die Deponie der umwelttechnisch beste Platz, an dem dieses Material landen soll. Hier ist es viel sicherer verwahrt als beim Gebrauch im Haus. Und metertief unter anderem Bauschutt vergraben kann auch kein Staub in die Umwelt gelangen.

Univ.-Prof. Dr. Roland Pomberger sitzt beim Interview in den Räumlichkeiten von Saubermacher.
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.mont. Roland Pomberger ist Lehrstuhlleiter für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft an der Montanuniversität Leoben.

Wissenschaftlich eindeutig und fachlich abgesichert ist, dass die Deponie der richtige Platz für unsere asbesthaltigen Abfälle aus unseren alten Bauwerken ist. Bei richtiger Ablagerung wird absolut verhindert, dass Staub in die Luft gelangen kann. Es gibt keinen besseren Platz als eine gut geführte Deponie für asbesthaltige Abfälle, die wir viele lange Jahre in unseren Haushalten und Häusern verwendet haben. Leider haben wir noch eine Herausforderung beim geordneten Rückbau von Bauwerken. Früher wurde einfach mit dem Bagger oder der Abrissbirne alles platt gemacht. Im gemischten Bauschutt war alles drin, da nicht getrennt wurde. Ein absoluter Fortschritt war die Recyclingbaustoffverordnung, die nun den geordneten Rückbau vorschreibt. Alle Bauwerke müssen vor dem Abriss „Schadstoffentfrachtet“ werden. Nun fallen einige Stoffe, die früher einfach im Bauschutt drin waren, getrennt an. Z.B. alte Mineralwolle, die nun als Monofraktion anfällt. Mineralwolle hat mit Asbest nichts gemeinsam, außer dass sie ähnlich aussehen kann. Mineralwollen sind aus Glas oder Gestein gesponnene dünne Fäden, die zu einer Art Wolle versponnen werden und ausgezeichnete Wärmedämmeigenschaften aufweisen. Mineralwolle, die seit 1998 produziert wird ist auch nicht gefährlicher Abfall. Leider kann ältere Mineralwolle die „in vivo CLP Tests“ noch nicht bestehen, sodass sie als gefährlicher Abfall einzustufen ist. Aber selbst die WHO sieht bei Mineralwollen „unzureichende Beweise für Kanzerogenität“ und ist sich nicht sicher, ob sie nun gesundheitsgefährdend sind oder nicht. Eines ist aber eindeutig: Das gesundheitliche Risiko von Mineralwolle ist nicht zu vergleichen mit Asbest.

Die aktuellen Diskussionen in den Medien, in denen die zusätzliche Genehmigung der Ablagerung von asbesthaltigen Abfällen und Mineralwolle problematisiert und abgelehnt werden, sind aus fachlicher Sicht reine Polemik, um nicht zu sagen Populismus. Durch eine geänderte Gesetzeslage sind „neue“ Abfälle entstanden, deren Ablagerung auf bestehenden Deponien neu genehmigt werden muss. Sie waren aber schon immer auf den Deponien, aber eben nicht als eigene getrennt erfasste Fraktion sondern gemischt im Bauschutt.

Wir sollten als Gesellschaft für unsere Produkte, die wir verwenden Verantwortung übernehmen. Jedes Produkt wird zu Abfall! Es ist nur eine Frage der Zeit. Jetzt renovieren wir alte Bauwerke oder reißen sie ab. Für diese Abfälle unseres täglichen Lebens brauchen wir Lösungen. Sichere Lösungen. Regionale und leistbare Entsorgungslösungen. Deponien sind der sicherste und beste Ort dafür, solange uns nicht besseres zur Verfügung steht.

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.mont. Roland Pomberger

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